
Unterricht ist wie ein Paartanz.
Lehrperson und Klasse bewegen sich gemeinsam über das Parkett. Solange beide denselben Tanz tanzen, denselben Rhythmus hören und die Schritte kennen, entsteht eine harmonische Einheit. Es fliesst.
Doch wir alle kennen den Moment, in dem der Rhythmus bricht. Das passiert oft dann, wenn die Lehrperson – motiviert durch moderne pädagogische Ansätze – plötzlich die Führung ändert. Sie will nicht mehr die Vorturnerin sein, sondern schlüpft in die Rolle des Coaches. Sieh mein Blog dazu
Der Tritt auf die Füsse
Wenn dieser Rollenwechsel jedoch passiert, ohne dies der Klasse zu kommunizieren, ist das Chaos vorprogrammiert. Man tritt sich sprichwörtlich auf die Füsse. Das Problem: Die Lehrperson erwartet Selbstständigkeit, die Klasse wartet aber noch in ihrer gewohnten Haltung auf Anweisungen. Beide befinden sich zwar noch auf derselben Tanzfläche, folgen aber nun völlig unterschiedlichen Choreografien. Die Lehrperson wartet auf Impulse der Lernenden, um diese zu coachen – die Lernenden warten auf Input, um diesen zu konsumieren. Stillstand.
Neue Tanzschritte für die Lernenden
Ein erfolgreicher Wechsel hin zum coachenden Unterricht gelingt daher nur durch radikale Transparenz und eine klare Neudefinition der Schülerrolle. Wir müssen den Lernenden erklären: «Wenn ich nicht mehr nur der ‚Erklärer‘ bin, könnt ihr nicht mehr nur die ‚Zuhörer‘ sein.»
Der Weg führt weg vom passiven Konsumieren, hin zum aktiven Gestalten. Doch wie sehen diese neuen „Tanzschritte“ konkret aus? Ein Blick auf die Rollen der Lernenden zeigt die Vielfalt, die wir fordern und fördern müssen:
- Vom Abschreiben zum Erforschen: Statt fertige Lösungen zu notieren, schlüpfen Lernende in die Rolle der Forscher:in. Sie bilden Hypothesen („Ich probiere aktiv aus, Fehler sind wichtig!“) und werden zu Entdecker:innen, die Neuland betreten.
- Vom Nicken zum Hinterfragen: Passives Zuhören wird ersetzt durch die Haltung der kritischen Denker:in. Lösungswege werden nicht einfach akzeptiert, sondern hinterfragt.
- Vom Warten zum Machen: Als selbstorganisierte Lerner:innen und Zeitmanager:innen übernehmen sie Verantwortung für ihre Planung, statt darauf zu warten, dass die Lehrkraft den Takt vorgibt.
- Vom Einzelkämpfer zum Teamplayer: Als kooperierende Lerner:innen verstehen sie, dass man manche Ziele im Tanz nur gemeinsam erreicht.
Erst der Partner macht den Tanz
Erst wenn die Schülerinnen und Schüler diese aktiven Schritte wagen – wenn sie recherchieren, reflektieren und ausprobieren –, entsteht der Raum, in dem wir als Lehrpersonen wirkungsvoll coachen können.
Coaching funktioniert nicht im Vakuum. Es braucht ein Gegenüber, das sich bewegt. Wenn wir diese Rollenklärung vorantreiben und die Erwartungen transparent machen, dann gelingt der gemeinsame Tanz wieder – vielleicht anspruchsvoller als zuvor, aber dafür umso dynamischer.
Ich selbst merke, dass ich hier immer wieder gefordert bin. Im Gegensatz zum Rollenwechsel als Lehrperson liegt der Rollenwechsel der Lernenden nicht in meinem Kontrollbereich, nur in meinem Einflussbereich. Wie gelingt es euch, die Lernenden zum Rollenwechsel zu bewegen?
Ich wünsche allen Lehrpersonen da draussen viel Spass beim Ausprobieren.

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